Die Gesundheitsregion – Gesunde Lebens- und Arbeitswelt Niederbayern - umfasst zwei Städte und drei Landkreise im Regierungsbezirk Niederbayern mit ca. 440.000 Einwohnern.
In einem umfassenden Teil der Gesundheitsregion wurden komplexe integrierte Versorgungsstrukturen aufgebaut, die bereits heute ca. 230.000 Mitbürgern eine vernetzte, interdisziplinäre und sektorenübergreifende Versorgung anbietet.
Die drei Gesundheitsunternehmen donauMED, iprogema und Praxisnetz La(a)bertal verfolgen seit 2006 einen populationsbezogenen Vollversorgungsansatz. Mit profunden Verträgen zur integrierten Versorgung nach §140 SGB V wurden nachweisliche Erfolge in der Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung, aber auch in der Arzneimittelsteuerung verzeichnet.
Diese ersten Erfolge finden jedoch immer wieder Grenzen in einer nachhaltigen Umsetzungspraxis. Zum einen bei den Leistungserbringern, die trotz verbindlicher Kooperation und klarer Zielsetzung für die Versorgung in erster Linie ihren eigenen Nutzen maximieren, aber noch viel mehr im Verhalten der Patienten, die grundsätzlich eher eine persönliche krankheitsorientierte Strategie verfolgen, als durch eigenverantwortliches Handeln ihre Lebensqualität und Gesundheit zu fördern.
Das Gesamtziel des Projekts besteht darin, die regionale Verantwortung für Gesunderhaltung im Bewusstsein aller Bürger zu verankern. Bezugspunkte sind die aktive Teilhabe, eigenverantwortliches Handeln und ein biopsychosoziales Gesundheitsverständnis, aber auch ein selbstbestimmtes Selbstverständnis gegenüber individuellen Gesundheitsprozessen (sozial, präventiv, kurativ). Um diesen Paradigmenwechsel im Gemeinwesen und unter allen Akteuren mit regional klar abgegrenzten Aufgabenbereichen zu vollziehen, liefert dieses Projekt den in der Folge beschriebenen, generalisierbaren Ansatz zur Verbindung von Lebenswelt/Arbeitswelt, auch im Sinne eines „shared-decision-making“ Prozesses zu verstehen.
Dadurch soll auch politisch gezeigt werden, dass die Lösungen für das Gesundheitswesen gerade und stellenweise nur in der regionalen Verantwortung zu finden sind (Subsidiarität).
„Community care“ steht in der Gesundheitsregion für ein gesamtgesellschaftliches Handlungsziel und eine gemeinsame Verantwortung für Gesundheit und gegenseitiger Hilfe im Falle einer Erkrankung. An der Fokusindikation „Depression“, medizinisch, strukturell und technisch entwickelt, zeigt die Gesundheitsregion innovative Ansätze, die den demographischen Umbau und Wandel, sowie die Zunahme psychischer Erkrankungen aktiv und im positiven Sinne beeinflusst.
Dabei soll die Gesundheitsversorgung speziell bei psychischen Erkrankungen stark bedarfsorientiert und teilnehmerorientiert erfolgen.
Weiter soll den Betroffenen in der Gesundheitsregion genügend Freiraum ermöglicht werden, um eigenverantwortlich und selbstbestimmt, Wohlbefinden und Verständnis fördernde Maßnahmen in ihrem unmittelbaren Umfeld, unter professioneller Anleitung der Gesundheitsnetzwerke und der Gesundheitsakademie, zu gestalten (Empowerment).
Zu den wesentlichen Strategien und Zielen gehören der unmittelbare regionale Einsatz von Versorgungsforschung, Gesundheitsforschung sowie Akzeptanz- und Adhärenzforschung und damit ein starkes Bündnis zwischen Hochschulen, Wirtschaft und medizinischer Versorgung (Cluster- und Community-Bildung).

