Ein Schwerpunkt im Projekt setzt allgemein auf die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Betriebsärzten, Hausärzten und Fachärzten. Im Speziellen wird dabei ein integrativer Pfad für psychische Erkrankungen entwickelt, umgesetzt und evaluiert. Dadurch wird erreicht, dass Arbeitnehmer und ihre Familien sowohl in der Arbeit, aber auch in der Freizeit erreicht werden (Teilprojekt I). Flankierend trägt die Gesundheitsakademie der Hochschule Deggendorf zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen bei und liefert Betroffenen, Angehörigen aber auch Ärzten und Arbeitgebern eine Plattform für Austausch und Vermittlung von evidenzbasiertem Wissen. Die Gesundheitsakademie ist damit zugleich Werkzeug und Forschungsgegenstand (Teilprojekt II). Medizinische Expertise zu psychischen Erkrankungen liefern die Ärzte des regionalen Bezirksklinikums.
Im Ergebnis soll dann die Kompetenzvermittlung und Schnittstellenbeschreibung für die Zusammenarbeit als Handlungsvoraussetzung definiert werden, um messbare, nachhaltige Veränderungen im Bewusstsein, im Verhalten und beim tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung zu bewirken.
Wesentliche Forschung und Kompetenz in der Region für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Akteure der Gesundheitsregion liefert auch die Hochschule Landshut durch eine begleitende interdisziplinäre „Akzeptanzforschung und Adhärenz-Förderung“ (Teilprojekt IV).
Der zweite große Fokus in der Gesundheitsregion liegt in der Entwicklung und Evaluation eines Informationssystems zur ärztlichen Entscheidungsunterstützung am Beispiel Depression und psychosomatisch bedingtem Rückenschmerz (Teilprojekt III).
Im Projekt „Versorgungsforschung und Analyse des Realisierungspotenzials der Leitlinie Depression“ (Teilprojekt V) wird nach einer Statuserhebung der Indikationen Depression und psychosomatischer Rückenschmerz in der Gesundheitsregion ergänzend zur „Akzeptanz-forschung und Adhärenz-Förderung" eine quantitative Messung der Compliance (Erfüllungsgrad) der Ärzte mit Leitlinien/Behandlungspfaden der Fokusindikationen sowie der Patienten-Compliance in Bezug auf die Medikation und Therapie durchgeführt. Forschungsgegenstand ist die Identifizierung von Erfolgsfaktoren zur Verbesserung der Versorgung in den Fokusindikationen mit dem Ziel, Anhaltspunkte für eine permanente Verbesserung von medizinischen Strukturen und Prozessen sowie von ökonomischen Anreizsystemen in der Gesundheitsregion zu gewinnen und umzusetzen. Auf diese Erkenntnisse aufbauend wird in Teilprojekt VI ein innovatives Vergütungs- und Anreizsystem entwickelt und evaluiert, welches mittelfristig leistungsorientierte Vergütungsmodelle mit einem kombinierten Budget ermöglicht.
Der Schwerpunkt „psychische Erkrankungen“ wurde in der Gesundheitsregion speziell gewählt, da diese immer häufiger zu einer der Hauptursachen von Arbeitsunfähigkeit werden. Dabei erfasst die Statistik nur die tatsächlich diagnostizierten Fälle und lässt damit die Zahl der unerfassten psychischen Störungen nur vermuten. Neben der Unkontrollierbarkeit liegt die Bedrohlichkeit dieser Entwicklung vor allem in den dadurch ausgelösten enormen Versorgungskosten und zu erwartenden Einschränkungen der Leistungsfähigkeit von Arbeitskräften.
Dies gefährdet den Produktionsstandort in der Gesundheitsregion und führt zu massiven Störungen in unserer sozial geprägten ländlichen Region.
Um diesen Trend zu unterbrechen, wurden die oben beschriebenen Innovationen in einer interaktiven und integrierten Prozesskette miteinander verknüpft -› Gesamtkonzept.
Im Ergebnis aller initiierten und umgesetzten Maßnahmen steht ein überlegter Ressourceneinsatz aller Akteure in der Region, der zum einen die dauerhafte Finanzierung der Gesundheitsversorgung sicherstellen kann, und gleichzeitig den Prozess des Arbeitens in Einklang mit dem natürlichen Prozess des Alterns bringt.
Es werden Angebote entwickelt, die dem „Gesellschaftstrend Psyche“ entgegenwirken und so den sozialen und produktiven Standort langfristig sichern.
Die Bedeutung für unser Gesundheitswesen ist nicht zu unterschätzen, da ein umgesetzter community care“-Ansatz, wie er in unserer Gesundheitsregion am Beispiel „Psychische Gesundheit“ institutionalisiert wird, auch auf andere Indikationen angewendet werden kann und muss. Die Chancen des Ansatzes basieren auf der Entwicklung und Stärkung der sozialen Strukturen mit dem Ziel der Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft und den einzelnen erkrankten Menschen.

